Friedrich-Ebert-Schule / Bad Homburg

Darstellung und Organisation

Die Bewegungsarmut heutiger Grundschulkinder führt, wie vielfach nachgewiesen, nicht nur zu gravierenden gesundheitlichen Schäden, sondern auch zu Auffälligkeiten im Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten. Die These vom gesunden Geist, der in einem gesunden Körper wohnt, hat heute wohl mehr Bedeutung als jemals zuvor, denn es ist unbestritten, dass ausreichende Bewegungsreize auch erheblich zur Ausbildung kognitiver Strukturen beitragen. Daneben sind die im Grundschulalter erworbene Bewegungssicherheit, die koordinativen Fähigkeiten und Fertigkeiten, sowie die notwendige Kooperationsfähigkeit sowohl die Grundlage für ein lebenslanges Sporttreiben, als auch für die Entwicklung zu einer sozialen und selbstbewussten Persönlichkeit.

Um diesen Sachverhalten Rechnung zu tragen, ist Sport zum schulspezifischen Schwerpunktprogramm der Friedrich - Ebert - Schule geworden.

 

Das seit 1993 mit dem Institut für Sportwissenschaften an der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt am Main für 4 Jahre durchgeführte Projekt, Akzeptanz und Wirkung zusätzlicher Sportstunden in der Grundschule bei dessen Durchführung in jeder Klasse täglich 1 Stunde Sport unterrichtet wurde, hat zu den erfreulichen Ergebnissen geführt, dass:

a)       die motorische Leistungsfähigkeit deutlich verbessert wurde

b)       ein deutlich spürbarer Abbau von Aggressionen und Gewaltbereitschaft sowie eine Zunahme von Toleranz und Rücksichtnahme erkennbar wurde

c)        die Schüler dem restlichen Unterricht aufgeschlossener gegenüberstanden

 

In verschiedenen TV-Sendungen (WDR - RTL - HR) sowie in der Presse einschließlich der Fachpresse wurde dieses Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt und von Sportwissenschaftlern und Sportmedizinern sowie von der Landessportkonferenz und der Kultusministerkonferenz positiv beurteilt.

Im Amtsblatt des Hessischen Kultusministeriums 2/2001 haben der Präsident der Kultusministerkonferenz, der Präsident des deutschen Sportbundes und der Vorsitzende der Sportministerkonferenz eine gemeinsame Erklärung zur Bedeutung des Schulsports abgegeben. Darin wurde unter anderem auf die Bedeutung des Sports für die soziale und geistige Entwicklung hingewiesen und auf die Fähigkeit Toleranz, Teamgeist, Fairness und Leistungsbereitschaft zu fördern.

Auf dieser Grundlage gehört es seit nunmehr 13 Jahren zum Programm der Friedrich-Ebert-Schule, dass in jeder Klasse täglich 1 Stunde Sport unterrichtet wird.

In der Überzeugung, dass der Sport einen wichtigen Beitrag zur ganzheitlichen Persönlichkeitserziehung leistet, haben die Entscheidungsgremien der Schule deshalb beschlossen, dass auch weiterhin ein vermehrtes Sportangebot dazu beitragen soll die Ziele der Schule zu verwirklichen.

 

 

Das Projekt

Das Schulprojekt „tägliche Sportstunde an der Friedrich-Ebert-Schule in Bad Homburg“ entstand im Jahre 1993 auf Initiative von Herrn Prof. Dr. Klaus Bös vom Institut für Sportwissenschaften der Universität Frankfurt, unterstützt durch Herrn Ministerialrat Paul vom Hessischen Kultusministerium und dem damaligen Leitenden Schulamtsdirektor des staatlichen Schulamtes des Hochtaunuskreises Herrn Gerhard Liese. Es war Teil der Projektarbeit im Rahmen des Landesforschungsschwerpunktes „Sport in Hessen unter besonderer Berücksichtigung der Prävention. Unter dem Arbeitstitel Akzeptanz und Wirkung zusätzlicher Sportstunden in der Grundschule sollte unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Sportwissenschaften der JWG-Universität untersucht werden, ob sich ein erweiterter Sportunterricht überdurchschnittlich auf die motorische und körperliche Leistungsfähigkeit und auf die Persönlichkeitsentwicklung der Grundschüler auswirken kann.
Zum Vergleich wurde eine andere, von Größe und Struktur ähnliche Bad Homburger Grundschule herangezogen. In beiden Schulen wurde halbjährlich der Allgemeine Sportmotorische Test (AST) von Bös und Wohlmann durchgeführt. Dabei zeigte sich bereits nach 1 Jahr, dass sich die Schüler der Versuchsschule in den meisten Übungen dieses Tests stärker verbessert haben als die Schüler der Vergleichsschule.

Besonders auffällig war die Leistungssteigerung im Bereich der Ausdauerleistung und im koordinativen Bereich.
Dass die Schüler der F-E-S in nahezu allen wichtigen Bewegungskriterien besser abschnitten als die Schüler der Kontrollschule ist angesichts des vermehrten Sportunterrichtes nicht besonders verwunderlich. Von weit größerer Bedeutung war dabei das Ergebnis, dass der Fortschritt in punkto Kraft, Ausdauer und Bewegungskoordination bei der Schülergruppe am deutlichsten war, die zu Beginn des Tests die niedrigsten Ausgangswerte hatte. Das bedeutet, dass gerade die bewegungsschwächsten Kinder - relativ gesehen - am stärksten von der täglichen Sportstunde profitierten.

 

Daneben kann man als Ergebnisse des zunächst für 4 Jahre durchgeführten Projektes zusammenfassen, dass a) die motorische Leistungsfähigkeit deutlich verbessert wurde b) ein deutlich spürbarer Abbau von Aggression und Gewaltbereitschaft, sowie eine Zunahme von Toleranz und Rücksichtnahme erkennbar wurde c) die Schüler dem restlichen Unterricht aufgeschlossener gegenüber standen

Auch das ist nicht verwunderlich, denn es ist in mehreren Untersuchungen nachgewiesen, dass die Bewegungsarmut heutiger Grundschulkinder nicht nur zu gravierenden gesundheitlichen Schäden, sondern auch zu Auffälligkeiten im Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten führt. So ist es unbestritten, dass ausreichende Bewegungsreize auch erheblich zur Ausbildung kognitiver Strukturen beitragen. Daneben sind die im Grundschulalter erworbene Bewegungssicherheit, die koordinativen Fähigkeiten und die notwendige Kooperationsfähigkeit Grundlage für die Entwicklung zu einer sozialen und selbstbewussten Persönlichkeit.

Unter diesen Gesichtspunkten war es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, dass die Schule die tägliche Sportstunde auch nach Beendigung des offiziellen Projektes beibehalten hat und als schulspezifisches Schwerpunktprogramm in das Schulprogramm der Schule übernommen hat.

Wie wird dieser vermehrte Sport nun in der tägliche Arbeit organisiert?

 

Die Organisation

a) die Stundentafel  

Vorgabe für die Durchführung des Projektes war, täglich für alle Schüler eine Sportstunde zu unterrichten, ohne die Stundentafel zu erweitern. Das bedeutet, dass anderer Unterricht gekürzt werden musste. Nach einiger Überzeugungsarbeit bei Kollegen und Eltern einigten sich die Gremien der Schule auf folgende Regelung:

In den Jahrgängen 1 und 2 wurden die Fächer

  Deutsch 6 Stunden  
  Sachunterricht 2 Stunden  
  Ku/We/Mu 3 Stunden  
    11 Stunden  

 

zu neun Stunden zusammengefasst. Dieser Unterricht liegt immer in der Hand des Klassenlehrers, sodass epochale Schwerpunkte gesetzt werden können.

In den Jahrgängen 3 und 4 wurden ebenfalls die Fächer

  Deutsch 5 Stunden  
  Sachunterricht 4 Stunden  
  Ku/We/Mu 4 Stunden  
    13 Stunden  

 

zu 11 Stunden in der Hand des Klassenlehrers zusammengefasst.

Diese Regelung wurde durch das Staatliche Schulamt und die Schulgremien genehmigt.

 

b) Arbeit in großen Gruppen 

Da in einer Schulwoche von 5 Tagen à 6 Stunden nur 30 Hallenstunden zur Verfügung stehen, bei derzeit 15 Klassen à 5 Stunden aber 75 Stunden Sport anfallen, ist es unumgänglich, dass immer Klassen jahrgangsweise aber auch jahrgangsübergreifend zu größeren Sportgruppen zusammengefasst werden müssen. Das bedeutet, dass in jeder Stunde zwischen 50 und 70 Schüler unterrichtet werden.

Die Arbeit in so großen Gruppen wird allgemein als sehr schwierig oder gar unmöglich angesehen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Grundschulkinder in der Lage sind, sehr schnell zu erkennen, dass sinnvolles Sporttreiben (damit es auch noch Freude und Spaß macht) nur unter bestimmten Voraussetzungen wie Rücksichtnahme, Fairness und der Einhaltung bestimmter Rituale möglich ist. Wir sehen die Arbeit in den Großgruppen absolut als Chance, diese Verhaltensweisen zu schulen. 

c) der Arbeit im Lehrerteam.

Für die Arbeit in den Großgruppen hat sich ein Lehrteam von mindestens 2 Sportlehrern als optimal erwiesen. Die Schüler haben auf diese Weise immer einen Ansprechpartner und den Lehrern bietet sich die Möglichkeit, bei eventuell auftretenden Unstimmigkeiten sofort einzugreifen, ohne den Unterricht zu unterbrechen. Während ein Kollege den Unterricht weiterführt, kann der andere mit den beteiligten Schülern ein klärendes Gespräch führen und auf sie einwirken, etwaige Streitigkeiten beizulegen. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Konfliktlösung geleistet.

Wo immer es der Stundenplan erlaubt, werden auch Kollegen ohne Sportausbildung in den Unterricht eingebunden. So sollen möglichst viele Kolleginnen und Kollegen methodische und sicherheitsrelevante Aspekte kennen lernen, um das Projekt auch für die Zukunft zu sichern.

d) Das Übungsangebot

Täglicher Sportunterricht lässt sich nur mit einem sehr umfangreichen und abwechslungsreichen Übungsangebot durchführen, welches alle Bereiche des Schulsports (Leichtathletik, Turnen, Spiel, Rhythmik und Schwimmen) abdeckt. Es ginge in diesem Rahmen zu weit auf die didaktischen und methodischen Einzelheiten einzugehen. Es sei nur so viel gesagt, dass nicht die Höchstleistung oder turnerische Perfektion als Ziel des Unterrichts angesehen wird. Vielmehr versuchen wir, den Schülern in allen Bereichen eine umfassende Grundausbildung zu vermitteln, wobei genügend Freiraum zur Verfügung steht, um selbstständig Gelerntes zu festigen, aber auch eigene Bewegungsmöglichkeiten an Groß- und Kleingeräten oder in Spielsituationen auszuprobieren.

e) Die Ausstattung

Sportunterricht, wie er an der F-E-S durchgeführt wird, setzt eine ausreichende Ausstattung an Hallenplätzen sowie Geräten vor allem Kleingeräten voraus. Es ist unverzichtbar, dass jeder Schüler einen Ball, einen Reifen, ein Sprungseil etc. zur Verfügung hat. An der F-E-S ist diese Ausstattung inzwischen vorhanden und kann wenn nötig mit Hilfe des Fördervereins der Schule problemlos ergänzt werden.

 

Die Ergebnisse

Das für uns Lehrer wichtigste Ergebnis unserer täglichen Sportstunde besteht in dem Spaß, mit dem die Kinder bei der Sache sind. Verschiedene vergleichende Untersuchungen mit Kontrollgruppen (Schulen mit normalem Sportangebot), die vom Sportwissenschaftlichen Institut der Universität Frankfurt durchgeführt wurden, haben ergeben, dass die Schüler unserer Schule bei nahezu allen wichtigen Bewegungskriterien deutlich besser abschnitten als die Kontrollschulen. Dass vor allem die bewegungsschwächsten Kinder relativ gesehen am stärksten von der täglichen Sportstunde profitieren, ist bereits erwähnt worden. Ebenso erfreulich ist, dass sich das soziale Klima an der Schule enorm verbessert hat. Die Pausenaufsicht muss nur sehr selten eingreifen, um ernsthafte Konflikte zwischen den Schülern zu schlichten. Handgreifliche Auseinandersetzungen kommen so gut wie gar nicht mehr vor. Die Mitglieder des Kollegiums, die nicht mit dem Sportunterricht befasst sind, haben ihre Vorbehalte gegenüber dem ausgeweiteten Sportangebot längst aufgegeben. Sie berichten davon, dass die Kinder im normalen Klassenunterricht ausgeglichener und konzentrationsfähiger sind. Davon, dass die Leistungen in den anderen Fächern zurückgegangen wären - immerhin gab es ja, wie erwähnt, eine Kürzung in einigen Bereichen, ist schon lange nicht mehr die Rede. Schließlich ist noch die durchweg positive Resonanz in der Elternschaft zu erwähnen. Nicht wenige Eltern geben bei der Schulanmeldung die tägliche Sportstunde als Argument für ihre Schulwahl an.

(Klaus Bethge)